KI-Hotline: +49 3327 5658 – 28
info@digitalzentrum.berlin

Transparente Lieferketten: Vom ERP-System bis zur Blockchain

Wie kann man transparente, digitale Lieferketten in kleinen und mittleren Unternehmen umsetzen? Neben einem passenden ERP-System sind Chips und digitale Prozesse die Lösung – und irgendwann die Blockchain?
Transparente Lieferketten – von einfachen Chip-Lösungen bis zur Zukunft Blockchain

Wie können erzeugende Betriebe den Weg vom Feld zur Endkundschaft rückverfolgbar machen und somit die Qualitätssicherung erleichtern? Wie kann ein Saatgutproduzent die Herkunft der Saat transparent darstellen? Und mit welchen Mitteln digitalisiert ein Kosmetikhersteller seine logistischen Prozesse?

Transparente Lieferketten werden immer wichtiger

Ob in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung von Rohstoffen oder im Handel: Transparente Lieferketten vom Erzeuger bis zur Kundschaft werden immer wichtiger, um Qualität zu sichern. Das Gute: Sie werden auch technisch immer leichter möglich.

Wir stellen in diesem Artikel deshalb drei mittelständische Unternehmen vor, mit denen die beiden Digitalzentren Berlin und Chemnitz durch einfache AutoID-Technologie Lösungen für transparente Liefer- und Logistikprozesse fanden.

Zertifizierte Qualitätsstandards benötigen Transparenz

Eines der Unternehmen war der aus zehn Landwirten zusammengeschlossener, niedersächsischer Betrieb Sola Bonum, der auf die Kartoffel- und Gemüseverarbeitung spezialisiert ist.

Das Unternehmen hatte bisher keine technische Lösung, um die Gemüseanlieferungen der einzelnen Landwirte in der verarbeitenden Halle systematisch digital zu erfassen und so Angaben zum genauen Herkunftsort jeder Charge zu sichern. Das ist jedoch Voraussetzung für eine Zertifizierung nach dem Qualitätsstandard IFS Food – zudem wünschen sich immer mehr Verbraucher Transparenz in der Herkunft von Produkten und ihren Bestandteilen.

Chip-Lösungen sind nicht teuer

Die Lösung ist denkbar einfach: RFID- oder NFC-Chips. Der Betrieb kann diese an den Gitterboxen anbringen, in denen das Gemüse am Produktionsstandort transportiert wird, und darin die Chargennummer jeder Lieferung speichern. So können die Lebensmittel innerhalb der Gitterboxen problemlos durch mobile Lesegeräte identifiziert und die Chargeninformationen ausgelesen werden. Der klassische Warenbegleitschein kann entfallen und die Informationen stehen allen Beteiligten transparent und jederzeit digital zur Verfügung. Einfache RFID-Tags kosten nur circa 30 Cent pro Stück.

Aber: Es braucht ein passendes ERP-System

Das eigentlich Komplizierte an der Einführung von Chip-Lösungen: Als Grundlage für die Vergabe von Chargennummern als Referenz für alle Informationen der Lebensmittel, braucht es ein passendes Enterprise-Ressource-Planning-System (ERP), das den gesamten Prozess abbildet und auch die Chargennummern generiert.

Das Berliner Projektteam verglich deshalb branchenspezifische Software-Anbieter wie app/laps, info, myfactory, weclapp und GUS anhand der vorher identifizierten Bedarfe. In einer Entscheidungsmatrix bildete es ab, welche Software möglichst viele Funktionen für die Abteilungen des Gemüseverarbeiters, also Vertrieb, Einkauf, Service, Logistik, Buchhaltung, Qualitätsmanagement und Personalmanagement bereithielt. App/laps und GUS schnitten in diesem, auf den lebensmittelverarbeitenden Betrieb zugeschnittenen Vergleich als am passendsten ab.

Durch eine Webschnittstelle zu dem ERP-System können dann auch Lieferant:innen und Großhändler:innen die Chargennummer nutzen, um Prozessinformationen auszulesen und hinzuzufügen.

Welches ERP System ist das Richtige für mein Unternehmen? Digital in NRW, das Mittel­stand 4.0-Kompe­tenz­zen­trum Dortmund, gibt kleinen und mittleren Unternehmen mit der umfangreichen Marktstudie einen anbieterneutralen Überblick der ERP-Angebote.

Die Infos für die Endkundschaft werden automatisch erstellt

Für die Endkundschaft im Supermarkt kann das Unternehmen dann mit einem Static-Site Generator arbeiten, der automatisiert Webseiten erstellt. Geben Endkund:innen im Supermarkt die Chargennummer, die auf der Verpackung gedruckt ist, in die ebenfalls abgedruckte Weboberfläche ein, erfahren sie, woher die Kartoffeln kommen und wann sie geerntet wurden. Mögliche Lösungen können Gatsby, React Static oder JS sein.

Alternative: Lagermitarbeitenden Scannen einen QR-Code

Vor ähnlichen Herausforderungen stand auch der Saatgut Produzent Silotech GmbH aus dem sächsischen Raum, der seine Prozesse von der Warenanlieferung bis zum Versand der Ware digitalisieren wollte. Mit dem Team des Mittelstand-Digital Zentrums Chemnitz erarbeitete das Unternehmen einen Soll-Prozess für die einzelnen Schritte. Daraus leiteten sie Anforderungen an die AutoID Technologie ab. Das Projektteam entschied sich für einen QR-Code, der am Lagerplatz angebracht wird. So können die Lagermitarbeitenden hier direkt die Verknüpfung der Produktdaten mit den Prozessdaten vornehmen. Gleichzeitig dokumentierte das Team alle notwendigen Anpassungen in einem Lastenheft, um auch hier die Anforderungen an ein ERP-System zu definieren.

Die gemeinsame Prozessanalyse schafft Verständnis für die Maßnahmen

Für solche Digitalisierungsmaßnahmen ist die gemeinsame Prozessanalyse ein wichtiger Bestandteil. Das zeigt auch das Projekt mit IONTO Health & Beauty GmbH, einem B2B Händler für Kosmetikartikel. Neben den Logistik- und IT-Mitarbeitenden des Unternehmens waren ebenso Logistikplaner und externe IT-Dienstleister involviert. Durch die Analyse entwickelten sie ein gemeinsames Verständnis der internen Logistikprozesse. So fanden sie heraus, welche Vorteile eine bessere Daten- und Informationsverarbeitung hat und was sie benötigen, um eine Automatisierungslösung oder einen Kommissionsassistenten einzuführen. Der Kommissionsassistent kann die Mitarbeitenden beim Picking der Produkte unterstützen.

Ausblick: Transparente Lieferketten mit der Blockchain?

Dieses Prozessverständnis braucht es auch vor dem Einsatz einer Blockchain: Erst wenn man im Prozess die Notwendigkeit sieht, dass verschiedene bis jetzt auch unbekannte Akteure ohne Berechtigung Zugang zu den Daten und deren Ergänzung erhalten sollen, kann eine öffentliche Blockchain sinnvoll sein.

Die Stärken der Blockchain-Technologie liegen in einer dezentralen Informationsbereitstellung und deren Sicherheit, wodurch auch hier die Qualität des Prozesses und der Produkte erhöht werden kann. Verschiedene Teilnehmer können Informationsblöcke einbringen. Durch Validatoren beziehungsweise ein Konsensmechanismus werden diese Informationen unveränderlich und dezentral in der Blockchain gespeichert und stehen somit den Beteiligten zur Verfügung.

Quelle: Drieschner, 2021, Technische Universität Chemnitz

Die Vorteile einer digitalisierten Logistik und Lieferkette liegen also auch in der Zukunft: Wird die Blockchain-Technologie noch sicherer, günstiger und breitentauglicher, sind ihre digitalen Daten und Prozesse anschlussfähig.

Text: Marie Landsberg, Pierre Grzona

Suchen
Nichts mehr verpassen:
Unser Newsletter

    Mehr zum Thema