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Grüne FinTechs: Wie Finanzdienstleister den Klimaschutz unterstützen

FinTechs wie Paypal, N26 oder Klarna haben in den vergangenen Jahren mit innovativen und digitalen Geschäftsmodellen den Finanzsektor stark verändert. Dabei treten zunehmend Finanzdienstleister auf den Markt, die ihren Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten wollen. Inwiefern grüne FinTech-Lösungen für Geschäftskunden relevant sind und welche Unternehmen sowie Geschäftsmodelle es gibt, erfahren Sie in diesem Artikel.
Grüne FinTechs: Wie Finanzdienstleister den Klimaschutz unterstützen

Die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen, die den persönlichen Werten der Kund:innen und damit denen einer nachhaltigen, sozialen und verantwortungsvollen Unternehmensführung entsprechen, steigt seit Jahren kontinuierlich an. Neue Regularien und das wachsende öffentliche Bewusstsein für die Herausforderungen des Klimawandels verändern somit auch die Ansprüche an moderne Finanzdienstleister: Mehr und mehr grüne FinTechs erobern den Markt und versuchen mit ihren Geschäftsmodellen diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Grüne FinTechs oder Klima-FinTechs – was ist das?

Geschäftsmodelle, die Finanzen, digitale Technologien sowie Umwelt- oder Klimaschutz kombinieren, werden als grüne oder Klima-FinTechs bezeichnet. FinTechs optimieren durch den Einsatz von digitalen Technologien meist Prozesse im Finanzsektor oder Finanzdienstleistungen. Grüne FinTechs verfolgen zusätzlich das Ziel, zur Reduktion von CO2-Emissionen beizutragen.

Dass ihre Anzahl kontinuierlich steigt, macht unter anderem der Climate Fintech Report 2020 deutlich. Hier werden weltweit mehr als 250 grüne FinTechs gelistet. Im Kontext des europäischen Ziels der Klimaneutralität werden bis 2050 mehr und mehr Angebote dazu kommen.

Klimabewusstes Kapital

Mit grünen FinTech-Anbietern können Finanzinstitutionen, Privatpersonen und Unternehmen ihr Geld klimafreundlich anlegen, ausgeben oder investieren. Die Bandbreite reicht dabei von Kreditkarten aus Holz oder recyceltem Plastik, Investment Apps mit nachhaltigem Produktportfolio bis hin zur Erhebung des persönlichen CO2-Fussabdrucks jeder einzelnen Transaktion. Nachdem der Fokus solcher Geschäftsmodelle lange auf Privatpersonen lag, werden nun auch zunehmend Geschäftskunden als Zielgruppe nachhaltiger FinTechs erkannt.

Die hierfür relevanten Produktkategorien lassen sich grob in zwei Bereiche untergliedern:

  • Grüne Kundenlösungen: hierunter fallen z.B. Kreditkarten, die bereits die CO2-Emissionen der getätigten Käufe kompensieren, Prämienprogramme, nachhaltige Banken oder Wallets, Crowdfunding-Plattformen sowie E-Commerce-Plattformen
  • Klimarisikobewertung & Investment: das Erfassen und die Analyse von Environmental, Social und Governance (ESG)-Daten sowie die Investition in nachhaltige Produkte

Dabei basiert bei ca. 20 Prozent der Klima-FinTechs das Geschäftsmodell auf Kompensationszahlungen. Bei diesem Verfahren bekämpfen die Anbieter nicht die Ursachen des Klimawandels selbst, sondern gleichen klimaschädliches Verhalten beispielsweise durch die Vernässung von Mooren oder durch Wiederaufforstungsmaßnahmen aus.

Das nachhaltige Geschäftskonto als Ausgangspunkt

Der Klimaschutzgedanke hinter Ökobanken ist simpel: Banken verfügen über Kapital, das investiert wird. Durch das gezielte Steuern der Finanzströme hin zu klimafreundlichen Investitionen wird weniger CO2 emittiert. Gleichzeitig werden Anreize gesetzt um das eigene Geschäftsmodell umweltfreundlich auszurichten. Auf dieser Grundlage können wiederum neue Kredite beschafft werden. Dabei betreten neben den etablierten Häusern wie Triodos, Umweltbank und GLS jetzt die ersten reinen Online-Banken das Spielfeld. Sie versprechen eine besonders schnelle Kontoeröffnungen und investieren ausschließlich in ethische Anlagen. Je nach Anbieter kommen noch weitere Services hinzu wie beispielsweise die direkte Berechnung des CO2-Fußabdrucks bei Kontobewegungen oder das digitale Verwalten mehrerer Kreditkarten inkl. dem Festlegen von Limits und Genehmigungsprozesse.

Klimafreundliche Payment-Lösungen

Gerade bargeldlose Zahlungen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. In Deutschland stieg das Volumen zwischen 2019 und 2020 um 8,6 Prozent auf 26 Milliarden Transaktionen. Allerdings findet sich laut dem World Payment Report 2021 zwischen Zahlungsabwicklung und möglichen nachhaltigen Zahlungsoptionen eine große Kluft. Zu oft erfüllen hier die unternehmerischen Prioritäten nicht die Erwartungen der Kund:innen. Hier setzt das Start-up Taptree an.  Mit jeder Zahlung online oder über den Kartenterminal wird ein Anteil der Transaktionskosten in Klimaschutzprojekte investiert. Eine ähnliche Idee verfolgt der Online-Zahlungsanbieter payactive. Für Kunden, die oft wiederkehrende Zahlungen und Abonnements verwalten wie z.B. Stromanbieter, Fitnessstudios etc. bietet das Unternehmen eine automatisierte Abwicklung inkl. Rechnungserstellung an. Mit jeder Transaktion fließt Geld in Klimaschutzprojekte.

Mit digitalen Kassenzetteln gegen den Papiermüll

Als Reaktion auf die Einführung der Bonpflicht im Jahr 2020 haben sich Unternehmen wie greenbill, anybill oder SMARTBON gegründet, die Kaufbelege direkt im Kassensystem digitalisieren und dem Kunden zur Verfügung stellen. Je nach Anbieter kann an der Kasse ein QR-Code gescannt oder die digitalen Belege per Mail zugeschickt werden. Digitale Belege sind dabei die umweltfreundliche Alternative zum Müllberg aus Kassenzetteln. Darüber hinaus können die digitalen Kaufbelege direkte  in der Buchhaltungssoftware weiterverarbeitet werden, so  z.B. zur vereinfachten Spesenabrechnung oder die Archivierung der Belege für Garantiezwecke.

Nachhaltige Sachbezüge für Mitarbeiter:innen

Das Modell, Mitarbeiter:innen monatlich 50-Euro an Sachbezug steuerfrei auszuzahlen, ist bereits recht weit verbreitet. Während sich die meisten Anbieter dabei allein auf den steuerlichen Vorteil konzentrieren, setzt das Münchener Start-up Guudcard beim Nachhaltigkeitsgedanken an. Karteninhaber können das aufgeladene Guthaben ausschließlich im nachhaltigen regionalen Einzel- oder Onlinehandel verwenden wie z.B. Bio-Supermärkten oder Fahrrad-Werkstätten.

Grüne FinTechs: Relevant für den Mittelstand?

Die Pariser Klimaziele und die damit einhergehenden regulatorischen Anforderungen an Unternehmen werden in den kommenden Jahren Innovationen im Finanzsektor weiter vorantreiben. FinTechs können dabei einen entscheidenden Beitrag leisten, indem sie Transparenz herstellen und klimarelevante Daten für Unternehmen und Privatpersonen sammeln, analysieren und Maßnahmen ableiten.

Aus Unternehmenssicht ist es heute bereits sinnvoll nach grünen FinTech-Anbietern Ausschau zu halten. Zum einen fordern mehr und mehr Mitarbeitende einen verstärkten Einsatz ihres Arbeitgebers für mehr Umwelt- und Klimaschutz. So kann durch den Einsatz von grünen Fintechs sowohl das Klima geschützt als auch die Mitarbeitendenbindung erhöht werden. Zum anderen verschärfen sich die regulatorischen Anforderungen durch Berichtspflichten und die Offenlegung der eigenen Klimadaten. Dem gesteigerte Kundeninteresse an nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen kann ebenso durch die Einbindung grüner Lösungen in die Zahlungsprozesse und -abwicklung entgegengekommen werden.

Text: Julia Martius

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